Strahlenkrankheit

Die Strahlenkrankheit ist ein Fachbegriff für Gewebeschäden, die durch Ausgesetztheit der übermäßigen Radiation, also der kurzzeitigen ionisierenden Strahlung verursacht ist.

Strahlenkrankheit

Die Entstehung der Symptomen von Vergiftung durch Radiation ist abhängig von Schäden des Zellzyklus, der Zellteilung. Nach diesem Prinzip funktioniert auch die Radiotherapie. Unter die ersten bestätigten Opfer der Strahlung gehörten deutscher Chemiker Giesel, Marie Sklodowska – Curie und Henri Becquerel.

Wirkungen der Radiation, Bestrahlung

Während der Ausgesetztheit der Strahlung kommt es zum Durchgang der Partikel durch die Gewebe, die Zellen können sie völlig oder teilweise absorbieren. Für eine absorbierte Menge benützt man die Einheit Gray (Gy).

Die Strahlung beschädigt die Zelle und ihre DNS direkt oder indirekt. Durch ihre Wirkung entstehen freie Radikale, die weiter die zelluläre DNA beschädigen. 

Am meisten strahlenempfindlich sind die Gewebe, in es denen zur Abwandlung und Zellteilung kommt, d.h. Knochenmark, Geschlechtsorgane, Darmschleimhaut. Im Gegenteil am meisten widerstandsfähig sind die Gewebe, wo es zur sporadischen Zellteilung kommt, d.h. Herzmuskel und Zentralnervensystem.

Die Strahlenkrankheit hat ein paar Stadien, die Länge und Ernsthaftigkeit von einzelnen Phasen hängt von Dosis der Strahlung ab. 

  • Prodromalphase – ist eine Phase, wann Organismus direkt auf die Bestrahlung reagiert. Sie manifestiert sich am häufigsten durch Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit. Wenn die Dosen von Strahlung höher sind, können es auch Kopfschmerz und Durchfall sein. Bei hohen Dosen der Strahlung, d.h. über 6 Gy, kann es aber schon in dieser Phase zu ernsten Organismusschäden und zu Störungen des Nervensystems kommen. 
  • Latenzphase – in dieser Zeit kommt es zum vollständigen oder teilweisen Verschwinden der Beschwerden, die in Prodromalphase aufgetreten sind. 
  • Manifeste Phase – nach dem Zeitraum der Verbesserung kommt es zum vollen Ausbruch der Krankheit. Der Betroffene leidet an Müdigkeit, Schüttelfrost und Fieber, häufig sind Blutungen aus der Nase und Zahnfleisch, es bilden sich Geschwüre auf der Schleimhaut von Mund, das Haar fällt aus. Vorhanden ist auch Durchfall. Infolge der Dämpfung von Immunsystem gibt es eine erhöhte Neigung zu Infektionen. Bei sehr schweren Vergiftungen durch Radiation in dieser Phase stirbt der Patient.

Die Strahlenkrankheit hat mehrere Formen:

Hämatopoetische (blutbildende) Form 

Sie wird durch Störung der Blutbildung bei der Ganzkörper – Dosis 2 – 10 Gy charakterisiert, die Abwekraft ist erniedrigt, es kommt zu häufigen Blutungen infolge eines Mangels an Thrombozyten (Blutplättchen). 

Gastrointestinale Form (Magen – Darm – Form)

Bei dieser Form fehlt die Latenzphase, sie manifestiert sich durch Übelkeit, Erbrechen, Durchfälle, paralytischen Ileus (Darmverschluss). Sie entsteht infolge der Bestrahlungsdosen 10 – 50 Gy. Im Falle einer höheren Dosis stirbt der Betroffene an diesem Syndrom früher als an dem hämatopoetischen Syndrom.

Pulmonale Form (Lungenform)

Diese Form manifestiert sich bei den Dosen 10 Gy. In der ersten Phase erscheint das Lungenödem mit einer Entzündung, in der späteren Phase entwickeln sich dann fibrotische Veränderungen. Die Behinderung der Lungen manifestiert sich dann durch Ateminsuffizienz, Fieber, Husten. 

Kardiovaskuläre Form 

Der Herzmuskel ist gegen Strahlung ziemlich widerstandsfähig. Die Schäden erscheinen erst bei der Bestrahlung in Gesamtdosis 40 Gy. Es kommt zur Degeneration der Muskelfasern und zur Fibrose. Der Perikard ist für die Strahlung empfänglicher, es kommt darin zur Entstehung von Ausschwitzung.

Mit der Strahlenkrankheit wird auch die Auskleidung von Gefäßen vernichtet, dadurch verschließen sich die Gefäße und es kommt zur Minderdurchblutung und Blutleere von Geweben. 

Zentralnervenform 

Ist die schwerste Form der Strahlenkrankheit. Sie endet immet mit Tod, und zwar auch innerhalb mehrerer Stunden. Akutes zerebralvaskuläres Syndrom entwickelt sich bei der als 50 Gy höheren Ganzkörper – Bestrahlung. In solchem Falle ist Tod unvermeidlich und tritt innerhalb 48 Stunden ein. Die mit dieser Form verbundenen Symptome sind Fieber, Blutdruckabfall, Desorientierung, Verwirrung. Es kann eine leichte Verbesserung kommen, aber dann treten Atembeschwerden, Fieber, Durchfälle ein und es endet mit dem kardiovaskulären Schock. 

Vorbeugung der Vergiftung durch Radiation

  • Genügender Schutz gegen Radiation, das verantwortliche Verhalten usw. 
  • Man muß sich bewusst werden, dass die Strahlungsintensität mit der Entfernung von Strahlungsquelle fällt.
  • Es ist möglich zu beschatten, d.h. die Bleiplatten, Materialien mit Blei zu verwenden.
  • Die Verkürzung der Aufenthaltsdauer im Gebiet von Radiation mindert Beschädigungen. 

Spätfolgen der Bestrahlung

Auch wenn der Betroffene von der akuten Vergiftung durch Strahlung genest, kann es nach Jahren der Latenz zur Entwicklung von Krankeiten kommen, wie verschiedene Tumorerkrankungen sind – Leukämie, Karzinome der Schilddrüse, Haut, Lungen u.a. Weiter können sich genetische Schäden entwickeln, die sich erst in nächsten Generationen manifestieren werden, also bei Nachkommen des durch Radiation Betroffenen.

Diagnose der Strahlenkrankheit 

  • Anamnese – Aufenthalt am Ort von Radiation
  • Daten aus dem Dosimeter
  • Blutenthahmen – Blutbild
  • Entnahmen des Knochenmarks
  • Zytogenetische Untersuchungen

Therapie der akuten Vergiftung durch Radiation

Ist vor allem unterstützend – es ist notwendig den Aufenthalt des Betrahlten in einer nichtinfektiösen Umgebung zu sichern, Hämotherapie, d.h. Ersatz von Blutzellen, eine antibiotische Therapie, Abänderung des Wasser–, und Mineralhaushalts, genügende Desinfektion der Wunden, Verabreichung einer sterilen Nahrung.

 

Autor: Drahomíra Holmannová

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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